J.S.Bach, Matthäuspassion BWV 244
Die Ausführenden:
Karola Sophia Schmid, Sopran

Die aus Hamburg stammende Sopranistin Karola Sophia Schmid ist auf der Opernbühne, im Konzertfach und bei Oratorien zu Hause. Neben Festengagements an den Staatstheatern Kassel und Darmstadt gastierte Karola Sophia Schmid an Häusern wie der Oper Köln, dem Nationaltheater Mannheim, dem Theater Bremen, dem Theater Bonn oder dem Staatstheater Nürnberg und arbeitete dabei mit Dirigenten wie Kent Nagano, Sir Jeffrey Tate, Václav Luks, Yoel Gamzou, Marcus Bosch oder Rubén Dubrovsky zusammen. Konzertant war sie europaweit in Sälen wie dem Concertgebouw Amsterdam, der Elbphilharmonie Hamburg, der Tonhalle Zürich, der Kölner Philharmonie oder beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören.
Highlights der aktuellen Spielzeit umfassen unter anderem ihr Rollendebüt als Sophie in Richard Strauss‘ „Rosenkavalier“ (Neuproduktion, Theater Lübeck) und Pamina in Mozarts „Zauberflöte“ in einer Inszenierung von Stefano Poda bei den neu gegründeten Opernfestspielen am Saarpolygon. Kurz darauf ist sie erstmals mit dem Händelfestspielorchester Halle unter der Leitung von Attilio Cremonesi zu hören. Ein weiteres Debüt führt sie zu den Tiroler Festspielen Erl, wo sie den Sopranpart in Bachs Johannespassion übernehmen wird. Mit dem Philharmonischen Chor Bonn wird sie Carl Orffs „Carmina Burana“ singen.
Nachdem sie kürzlich auf einer Tournee Ortlinde in der historisch-informierten Produktion von Wagners „Walküre“ unter der Leitung von Kent Nagano mit Concerto Köln und dem Dresdner Festspielorchester sang, umfassen Highlights der vergangenen Spielzeit Pamina in der „Zauberflöte“ am Staatstheater Nürnberg (musikalische Leitung: Roland Böer, Regie: Goyo Montero) sowie ihr Rollendebüt als Konstanze in der „Entführung aus dem Serail“ in Halberstadt. Ein Hausdebüt führte sie ans Theater Bonn, wo sie unter der Leitung von Dorothee Oberlinger Oberto in „Alcina“ sang; mit derselben Partie war sie wenig später auch am Staatstheater Darmstadt zu hören. Dort stand sie ebenfalls als Titelpartie in Pierangelo Valtinonis „Der Kleine Prinz“ auf der Bühne. Eine weitere Pamina sang sie auch am Landestheater Detmold in einer Neuinszenierung von Dirk Schmeding, und als Micaëla in Bizets „Carmen“ debütierte sie am Volkstheater Rostock in der Regie von Vera Nemirova.
Ihre Laufbahn begann mit zwei Spielzeiten als Opernstudio-Stipendiatin am Staatstheater Kassel, wo sie als Musetta („La Bohème“), Nannetta („Falstaff“), Anna Reich („Die lustigen Weiber von Windsor“) oder Gretchen („Wildschütz“) auf der Bühne stand. Anschließend gehörte sie für zwei Spielzeiten dem festen Ensemble des Staatstheaters Darmstadt an, wo sie u.a. sie als Marzelline („Fidelio“) oder Pamina („Zauberflöte“) debütierte. Seitdem kehrt sie weiterhin regelmäßig als Gast ans Haus zurück, etwa als Zerlina („Don Giovanni“), Oberto („Alcina“) oder Juliane („Das Städtchen drumherum“). Ein enger Kontakt verknüpft sie auch mit dem Theater Kiel, wo sie seit ihrem Debüt zu Studienzeiten in Partien wie Pamina, Urbain („Les Huguenots“) oder der Titelpartie in Hosokawa‘s „Matsukaze“ zu erleben war.
Im Konzertfach war die Sopranistin beispielsweise in der Tonhalle Zürich, Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie oder der Hamburger Laeiszhalle zu hören. Mit Schumanns „Faust-Szenen“ gab sie ihr Debüt beim Schleswig-Holstein-Musikfestival.
Neben den großen Standardwerken wie Bachs Weihnachtsoratorium, den Passionen oder Händels „Messiah“ sang sie beispielsweise mit großem Erfolg Brahms‘ „Deutsches Requiem“ mit den Stuttgarter Philharmonikern oder Beethovens „Missa Solemnis“ in der Zürcher Tonhalle.
Bei den Heidenheimer Festspielen sang sie in der letzten Spielzeit erstmals Mendelssohns „Elias“; ebenfalls mit Mendelssohn (Psalme 42 und 95) war sie unter der musikalischen Leitung von Kay Johannsen in der Stuttgarter Stiftskirche anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Stuttgarter Kantorei zu hören. Im Berliner Dom sang sie unter der Leitung von Domkantor Adrian Büttemeier Bachs Weihnachtsoratorium. Regelmäßig ist sie auch in der Hamburger Laeiszhalle zu Gast; hier wird sie zunächst im April 2026 in Händels „Saul“ zu hören sein.
Karola Sophia Schmid erhielt ihre Gesangsausbildung bei Ulla Groenewold, mit der sie weiterhin eine intensive Zusammenarbeit verbindet. Sie studierte an den Musikhochschulen Hamburg und Berlin (Universität der Künste).
Eva Nesselrath, Alt

Die Aachener Altistin und promovierte Musikologin Eva Nesselrath war schon zu Gast auf vielen Bühnen, führte szenische Projekte mit alter Musik auf und singt regelmäßig als Solistin bei großen Oratorien und geistlichen Werken von Bach, Rossinis, Mendelssohns und viele mehr. Ihr Repertoire reicht von Werken der Alten Musik bis zur zeitgenössischen Literatur, sie ist regelmäßig Solistin bei Uraufführungen und arbeitete mit Komponisten wie Wolfgang Rihm.
Eva Nesselrath studierte Klavier, Gesang und Musikwissenschaften an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, wo sie auch promovierte. Ein großes Anliegen ist ihr die Vermittlung zwischen Musiker:innen und Wissenschaft. So leistet ihre 2024 veröffentlichte Monografie „Caroline Unger (1803–1877): Karriere – Stimme – Kompositionen“ einen wesentlichen Beitrag zur historischen Stimm- und Genderforschung, wurde von Europas größter Fachzeitschrift „Opernwelt“ zum „Buch des Monats“ (Dezember 2024) gekürt und in weiteren deutschsprachigen Zeitschriften überragend besprochen (Neue Musikzeitung, Orpheus – Oper und mehr, Die Tonkunst, Operalounge u.a.). Sie lehrt an der Hochschule für Musik und Tanz Köln Musikwissenschaft im Schwerpunkt Musiktheater.
Henning Jendritza, Tenor
Der Tenor Henning Jendritza studierte Katholische Theologie und Philosophie in Bonn, bevor er das Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Prof. Lioba Braun begann, welches er mit Bestnoten abschloss.

Es folgten Meisterkurse bei Thomas Heyer, Stephan MacLeod, Delfo Menicucci, Dietrich Hilsdorf, Josef Loibl und Philippe Jaroussky. Zudem war er Stipendiat der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk und des Richard-Wagner-Verbands.
Ein Schwerpunkt des Sängers liegt im Konzert- & Oratorienfach. So sang er bereits alle wichtigen Fachpartien und arbeitete u.a. mit Klangkörpern wie dem Beethovenorchester Bonn, Concerto Köln, dem Orquestra Barroca Catalana, dem Dresdner Kreuzchor, Bach Collegium Barcelona, dem Gewandhausorchester Leipzig (Andreas Reize) und der Capella Augustina (Andreas Spering). Mehrfach übernahm Henning Jendritza die Solopartien bei diversen Bach-Kantatenreihen u.a. beim spanischen Bachcelona Festival sowie beim großen Zehn-Jahres-Zyklus in Stuttgart mit dem Stuttgarter Stiftsbarock unter der Leitung von Kay Johannsen.
Weitere Konzertengagements führten ihn u.a. in die Sagrada Familia in Barcelona, die Kölner Philharmonie, den Dom zu Köln, Aachen, Osnabrück, Speyer und Berlin, den Münchner Herkulessaal, zum Bachfest Leipzig und zu den Brühler Schlosskonzerten. Hinzu kommen regelmäßige, solistische Einladungen beim Leipziger Thomanerchor unter Thomaskantor Andreas Reize.
Neben seiner Konzerttätigkeit gastierte Henning Jendritza auf internationalen Opernbühnen wie dem Joburg Theatre (Johannesburg/Südafrika), der Kammeroper München, Theater Schaffhausen (Schweiz), Theater Solingen und war 2017 & 2019 in einer von Gregor Horres inszenierten Matthäuspassion als Tenorsolist in Bonn & Leipzig zu erleben.
2019 erschien die Ersteinspielung von Christoph Försters Kantate Jauchzt ihr frohen Christenscharen mit dem mehrfach mit dem Echo Klassik ausgezeichneten Barockorchester Concert Royal Köln beim Label Musicaphon Records. 2024 erschien eine weitere Ersteinspielung mit barocken Kantaten von Christian Ludwig Boxberg, welche für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde.
Henning Jendritza ist Preisträger 2016 des internationalen Salvat Beca Bach Wettbewerbs in Barcelona und war Finalist beim internationalen Concorso Musica Sacra 2021 in Rom. 2025 gastiert er an der Oper Köln in der Rolle des Tamino und feiert mit Mozarts berühmten Requiem sein Debüt an der Dresdner Frauenkirche.
Markus Francke, Tenor

Der Tenor Markus Francke, geboren in Freiburg, studierte Gesang und Chorleitung in Köln. Sein Gesangsstudium bei Prof. Arthur Janzen schloss er mit Konzertexamen ab. Wichtige Impulse für seine Arbeit bekam er von Diane Forlano, Peter Schreier und Francisco Araiza.
Er war Ensemblemitglied am Staatstheater Wiesbaden und ist regelmäßig Gast an verschiedenen Theatern und Opernhäusern in ganz Deutschland. 2014 gab er sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper München.
Seit 2018 ist er am Theater Ulm engagiert, wo er die großen Partien seines Faches singt. Neben zahlreichen weiteren Rollen war er hier u.a. als ‚Parsifal‘, als ‚Hoffmann‘ in ‚Les Contes d’Hoffmann‘ und als ‚Cavaradossi‘ in ‚Tosca‘ zu hören.
Seine Konzerttätigkeit führte ihn durch ganz Europa. So hat er in den letzten Jahren u. a. Luigi Nonos „Prometeo“ in der Philharmonie de Paris, Bachs „Johannespassion“ in Helsinki mit dem Helsinki Baroque Orchestra und Bruckners „Te Deum“ in Moskau mit dem Moscow State Symphony Orchestra gesungen. 2024 hat er sein Asien-Debüt mit Verdis „Requiem“ in der National Concert Hall in Taipeh, Taiwan gegeben.
Thomas Laske, Bass
Der in Stuttgart geborene Bariton Thomas Laske sammelte als Mitglied der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben erste musikalische Erfahrungen. Nach Studienabschlüssen in den Fächern Ton-und Bildtechnik als Diplomingenieur und Gesang wurde er zunächst an das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein und anschließend an die Wuppertaler Bühnen engagiert. 1997 gewann er den Richard Strauss-Wettbewerb in München.

Zu seinem Opernrepertoire gehören mehr als 50 große Baritonpartien. Gastspiele führten ihn unter anderem an die Deutsche Oper Berlin, die Bayerische Staatsoper, die Oper Köln, die Oper Frankfurt, das Niedersächsische Staatstheater Hannover und das National Center for the Performing Arts Peking.
Vor allem aber ist Thomas Laske ein gefragter Lied- und Konzertsänger, der mit Dirigenten und Ensembles wie K.F. Beringer, G.C. Biller, R. Chailly, E. zu Guttenberg, M. Jansons, T. Koopman, H. Rilling und W. Sawallisch, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Bamberger Symphonikern, dem Deutschen Symphonierorchester Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig, den St. Petersburger Philharmonikern, dem Sinfonischen Orchester Mailand Guiseppe Verdi, dem Amsterdam Baroque Orchestra & Choir, dem Dresdener Kreuzchor, dem Thomanerchor Leipzig und dem Windsbacher Knabenchor zusammengearbeitet hat. Umfangreiche Rundfunk- und CD-Einspielungen dokumentiert dieses Schaffen.
Im letzen Jahr sang er u.a. den Jesus in Bachs Matthäus-Passion im Teatro La Fenice Venedig unter Ton Koopman sowie Bachs h-moll-Messe bei den Herrenchiemseefestspielen unter Kent Nagano.
Ferdinand Krumbügel, Bass
Ferdinand Krumbügel studiert im Masterstudiengang klassischen Gesang bei Prof. Mario Hoff an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, an der er zuvor bereits seinen Bachelorabschluss absolvierte. Wichtige künstlerische Impulse erhielt er unter anderem von Prof. Konrad Jarnot, Kammersänger Roland Schubert, Kammersänger Roman Trekel sowie Prof. Christian Gerhaher.

Der gebürtige Leipziger debütierte bereits an mehreren deutschen Theatern. 2023 war er erstmals am Theater Aachen in der Rolle des Eiler in Mozarts Der Schauspieldirektor zu erleben. Dorthin kehrte er jüngst als Gast in der Rolle des Sprechers in W. A. Mozarts Die Zauberflöte zurück. Zu Beginn der vergangenen Spielzeit debütierte er zudem am Allee-Theater in Hamburg, wo er die Partie des Cecil in Donizettis Maria Stuarda sang.
Seit Beginn seines Studiums widmet sich Ferdinand Krumbügel intensiv dem Oratorienfach und ist regelmäßig als Solist in geistlichen Werken unter anderem von Bach, Mozart und Brahms zu hören.
Auch im Liedbereich hat sich der Bariton ein umfangreiches Repertoire erarbeitet, das bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen reicht. Mit diesem tritt er regelmäßig in Konzerten auf. Anfang des Jahres gewann er gemeinsam mit seinem Pianisten Ettore Strangio den 2. Preis beim Franz-Müller-Heuser-Liedwettbewerb in Köln und wurde daraufhin als Gast zum HerHits Festival* für Liedduos in Hannover eingeladen.
Ferdinand Krumbügel ist Stipendiat des Richard-Wagner-Verbands und wurde für sein künstlerisches Engagement mit dem Deutschlandstipendium ausgezeichnet.
KölnChor

Als einer der großen Konzertchöre im Köln-Bonner Raum behauptet sich der KölnChor mit seinen 110 aktiven Sängerinnen und Sängern seit seiner Gründung im Jahr 2002 erfolgreich im professionellen Musikbetrieb. Die Arbeit des KölnChors ruht auf zwei Säulen: Auf der regelmäßigen wöchentlichen Probenarbeit, deren Ergebnisse in Konzerten im Großraum Köln-Bonn sowie bei Konzertreisen präsentiert werden, und auf der Durchführung von Chorprojekten, die zeitlich begrenzt sind und zu denen als Gäste stimmsichere Sängerinnen und Sänger herzlich eingeladen sind. Mehr Informationen zum KölnChor: https://koelnchor.de/who-we-are/
Sternstunden unserer Chorarbeit: In den zwanzig Jahren seines Bestehens hat der KölnChor weit über 100 Konzerte gegeben. Dabei führte der Chor nicht nur viele der weltlichen und geistlichen, bekannten Werke der Chorliteratur auf, sondern war auch ausgefallenen Chorprojekten immer offen zugewandt.
Neues Rheinisches Kammerorchester
Im Jahr 1957 wurde das „alte“ Rheinische Kammerorchester Köln gegründet. 1993 reformierte sich das Ensemble unter dem Namen Neues Rheinisches Kammerorchester Köln (NRKO) mit dem Ziel, die Tradition des Vorgängers fortzusetzen und zugleich ein Orchester neuen Typs zu entwickeln, das sich durch Vielseitigkeit auszeichnet: Orchesterkonzerte, Oratorienaufführungen und Kammermusik gehörten ebenso dazu wie Begegnungen mit Jazz und Kabarett.

Die Besetzungsvielfalt ermöglicht auch heute ein Repertoire vom Frühbarock über Klassik und Romantik bis zur Moderne, wobei für die Musiker des NRKO, die auf modernem Instrumentarium spielen, die Beschäftigung mit der Historischen Aufführungspraxis zur Selbstverständlichkeit geworden ist.
In vielen Projekten stellte das Ensemble seine Vielseitigkeit unter Beweis. Seit vielen Jahren veranstaltet das NRKO unter dem Titel „Begegnungen“ eigene Konzerte an verschiedenen Spielorten Kölns, unter anderem in der Basilika St. Aposteln und in der Trinitatiskirche.
Heute arbeitet das NRKO ohne Chefdirigenten, als Gastdirigenten und Projektleiter konnten unter anderem Peter Matzka, Peter Rundel, Jürgen Kussmaul, Christoph-Maria Wagner und Ariadne Daskalakis gewonnen werden.
Im Jahr 2005 war das NRKO zum Bad Homburger Dirigentenwettbewerb und anschließend als „orchestra in residence“ zur Spielzeit 2005/06 der dortigen Schlosskonzerte eingeladen.
Den größten Platz im Spektrum der NRKO-Aktivitäten nimmt die Arbeit mit Chören ein. Neben seiner Mitwirkung bei den Philharmonischen Konzerten Kölner Chöre musiziert das Orchester regelmäßig mit hervorragenden Chören Nordrhein-Westfalens und darüber hinaus.
Wolfgang Siegenbrink, Dirigent

Der gebürtige Paderborner Wolfgang Siegenbrink ist seit 2002 Leiter des KölnChors. Er studierte katholische Kirchenmusik (A-Examen) bei Prof. Rudolf Ewerhardt, Orgel bei Prof. Wolfgang Stockmeier, Klavier bei Prof. Michael Endres und Orchesterdirigieren bei Prof. Günter Fork an der Musikhochschule in Köln. Außerdem war er dort Pianist, u. a. in den Gesangsklassen von KS Hans Sotin und KS Kurt Moll.
Er erhielt Stipendien zur Dirigierklasse von Prof. Leopold Hager am Musikkonservatorium in Wien, zu den Bayreuther Festspielen und zur internationalen Bachakademie Stuttgart beim Europäischen Musikfest. An der Oper Bonn war er Solorepetitor, dirigierte das Beethovenorchester und war Assistent von Jeffrey Tate beim Parsifal und von GMD Marc Soustrot beim Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Außerdem besuchte er Meisterkurse u. a. bei Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller, Prof. Helmuth Rilling, Prof. Thorsten Lauxx und Daniel Roth, Paris.
Als Kantor arbeitet er in Köln. Hier spielte er in St. Bonifatius, Nippes, an der ältesten erhaltenen Großorgel Kölns (Seifert, III,53) das Gesamtwerk für Orgel von Johann Sebastian Bach und initiierte in St. Engelbert, Riehl, die Restauration einer deutsch-romantischen Orgel der Firma Walcker durch die Orgelbauwerkstatt Klais, Bonn. Außerdem führt er regelmäßig mit seinem Kirchen- und Projektchor „An der Flora“ und dem Neuen Rheinischen Kammerorchester Oratorien (u.a. Messias, Weihnachtsoratorium) und Werke von Richard Wagner (Chöre aus „Parsifal“) auf.
Für den Dombauverein Köln spielt er jedes Jahr Konzerte u.a. auf der Silbermannorgel der Hofkirche Dresden, der Kernorgel der Frauenkirche Dresden, der Sonnenorgel Görlitz, der Sauer-Orgel in der Thomaskirche Leipzig und der Trost-Orgel Altenburg.
An der Musikhochschule in Detmold hat er einen Lehrauftrag für Orchesterdirigieren. Zudem ist Wolfgang Siegenbrink auch künstlerischer Leiter des Rheinischen Kammerchors (RKK), mit welchem der KölnChor eng verbunden ist. So bestritten der KölnChor und der Rheinische Kammerchor 2005 gemeinsam mit dem Royal Philharmonic Orchestra London unter Anthony Inglis in der Köln-Arena und in der Festhalle Frankfurt zwei Konzerte der europaweit erfolgreichen Tournee „Raymond Gubbay’s Classical Spectacular“ vor 20.000 begeisterten Zuhörern. Im Januar 2006 konzertierten beide Chöre erneut in der ausverkauften Kölner Philharmonie mit der „Messa da requiem“ von Giuseppe Verdi. Das Jahr 2007 begannen RKK und KölnChor gemeinsam mit einer ausverkauften, begeisternden Aufführung von Elgars „Coronation Ode“ und Orffs „Carmina burana“ in der Kölner Philharmonie.
Mit dem KölnChor führte Wolfgang Siegenbrink bereits zahlreiche geistliche und weltliche Chorwerke sowie manche Erstaufführung (Elgar „Coronation Ode“, Mc Cartney „Ecce cor meum“) unter anderem in der Kölner Philharmonie, in verschiedenen Konzerthäusern und Kirchen in und um Köln sowie in Wolgograd, Riga, Kaunas, Luxemburg und Italien auf. Zudem besorgte er Choreinstudierungen u.a. für das Royal Philharmonic Orchestra London, die Rheinische Staatsphilharmonie Koblenz (Gurre-Lieder), Andrea Bocelli und Anna Netrebko.
Gedanken zu Bachs Matthäuspassion
Von Wolfgang Siegenbrink
Nachdem Bach im Mai 1723 im Alter von 38 Jahren das Thomaskantorat und die Leitung der Stadtmusik in Leipzig angetreten hatte, komponierte er in den nächsten Jahren ca. 60 neue Kantaten pro Jahr, für jeden Sonn- und Feiertag in der Nicolai- und der Thomaskirche, und führte sie dort mit seinem Knabenchor auf.
Die erste Passion war im Jahre 1724 die Johannespassion. Nach wiederholten Aufführungen 1725 und 1726, jeweils in geänderten Fassungen, bereitete er für das Jahr 1727 (11. April: Karfreitag) eine Neukomposition der Passion nach dem Evangelisten Matthäus vor. Dieses Werk sollte sein größtes Chorwerk werden. Grundlage sind die Texte des Evangelisten Matthäus (26. und 27. Kapitel), verschiedene passende Choräle aus dem 16. und 17. Jahrhundert und ein neuer Text von Friedrich
Henrici, genannt Picander.
Großform: Die Passion ist, bedingt durch eine Pause, in der die Predigt gehalten wurde, in zwei große Abschnitte (Verhältnis ca 3:4) geteilt. Jeder Abschnitt eröffnet und beschließt jeweils ein Chorwerk. Die Bibeltexte, gesungen vom Evangelisten, werden unterbrochen von 12 relativ gleichmäßig verteilten Chorälen und 12
Arien. Zu Beginn des ersten Teils entwirft Bach ein übergroßes und nie zuvor dagewesenes Szenario mit drei Chören. Vergleichbar ist dieses monumentale Stück mit den großen Tryptychon in der Malerei: ein zentrales Bild wird flankiert von zwei Bildflügeln, links und rechts angehangen. Die beiden Flügel des Gemäldes sind die großen Chöre mitsamt einem kompletten Orchester von 2 Flöten, 2 Oboen, Fagott, Streichern und Orgel. In der Mitte aber steht das Kreuz, gesungen von einem dritten Standort aus: der Choral „Christe du Lamm Gottes“. Er ist das Zentrum, und die gesamte gewaltige Komposition ist nur auf ihn gerichtet! Da der Choral in G-Dur steht, beginnt Bach in der zugehörigen Molltonart: e-Moll, die einen sehr elegischen Charakter hat. Auf unseren modernen Klavieren mit ihrer gleichmäßigen Stimmung gibt es keinen Unterschied mehr innerhalb der Harmonien: alle Intervalle sind möglichst gleich gestimmt. Zu Bachs Zeit hatte jede Tonart ihren eigenen Charakter, bedingt dadurch, dass sie aus der Naturtonreihe kamen. Dadurch konnte man zwar kaum in höher gelegenen Tonarten komponieren, da diese nicht mehr gut klangen, jedoch war der Charakter einer jeden Tonart dadurch unverwechselbar. Denken wir an ein strahlendes D-Dur (Trompeten!), ein helles A-Dur, ein stabiles C-Dur usw.
Auch die Molltonarten waren natürlich unterschiedlich im Charakter: e-Moll also passte sehr gut als Eröffnungstonart. Die Taktart ist 12/8: ein unruhiger aber schwerer Takt, der im Charakter einer Sarabande entspricht. Außerdem, und hier begegnet uns zum ersten Mal die Zahlensymbolik bei Bach, die Ausdruck seiner groß angelegten Architektur ist, außerdem entspricht das Verhältnis 12 zu 8 dem Verhältnis von 3 zu 2, also zwischen der menschlichen Zahl 2 „Mann und Frau“ und der göttlichen „3“ (Trinität). Dieses Zahlenverhältnis ist auch dargestellt durch die beiden „menschlichen“ Großchöre und den dritten „göttlichen“ Chor im Zentrum: „O Lamm Gottes unschuldig“, gesungen von einem Extrachor, bei uns dem Mädchenchor am Kölner Dom.
Die göttliche Zahl „3“ findet sich aber auch in der Aufstellung der Chöre wieder: Auf der Westempore (hinten) stehen die beiden Großchöre mitsamt den Orchestern. Hier entsteht eine Wechselwirkung: es sind die Menschen, die den Kreuzigungszug betrachten und sich gegenseitig über die Szene informieren: Sehet! Wen? Den Bräutigam! Seht ihn! Wie? Als wie ein Lamm! Sehet ihn Holz zum Kreuze tragen.
Mitten in das Stück hinein (in Takt 31: die 2. Hälfte des Tryptichons. Insgesamt hat das Eröffnungsstück 90 Takte: 3×30 Takte!) erklingt von der Ostseite der Thomaskirche, in der am 11. April 1727 zur Todesstunde (15 Uhr) die Passion zum ersten Mal aufgeführt wird, der Choral „O, Lamm Gottes unschuldig“. Die Ostseite einer jeden (alten) Kirche ist die Altarseite, der Chor; die alten Kirchen sind nach Osten ausgerichtet (im Osten geht die Sonne, das Symbol Christi, auf).
Und somit ergibt sich durch die ganze Thomaskirche ein gewaltiges klangliches Dreieck, ein Zeichen der Trinität. Wir werden diese räumliche Aufteilung nachvollziehen, indem wir den Mädchenchor auf die „Latecomer“ Tribüne der Kölner Philharmonie stellen.
Die Harmonie der ersten 30 Takte basiert vollends auf dem großen e-Moll Akkord: Als Orgelpunkt wird in den gesamten ersten 5 Takten nichts anderes gespielt! Beim Eintritt des Chorals „O Lamm Gottes unschuldig“ hören wir zum ersten Male die „eigentliche“ Tonart G-Dur! Das „Kreuz“ wird aufgerichtet, die ganze menschliche Tragödie (e-Moll) bekommt eine neue Stabilität (G-Dur). (Text des Chorals: am Stamm des Kreuzes geschlachtet): G-Dur ist die Tonart, die genau ein Kreuz # hat!
Wir staunen bei einem derart überzeugenden und bis ins Detail durchdachten Konzept. Es ist halt nicht einfach nur schöne oder dramatische Musik, sondern es ist eine Großarchitektur, die dort aufgestellt wird: das bis dahin größte Chorwerk, unter den Passionen bis heute unübertroffen!
Mit einer Pause.
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